Bali scheint ein Paradies für nahezu jeden Reisegeschmack zu sein. Sonnenanbeter sehnen sich nach idyllischen weißen Sandstränden und kristallklarem Wasser. Taucher können es kaum erwarten, die exotische Unterwasserwelt zu sehen. Entdecker wollen Vulkane, Dschungel und hinduistische Tempel erkunden. Feinschmecker lassen sich einheimische Gerichte und Delikatessen auf der Zunge zergehen. Yoga-Fans finden zu sich selbst und tanken neue Energie. Wird Bali auch dein nächstes Reiseziel? Lieber nicht! Weshalb du dir für deinen Urlaub besser eine andere Location suchst, kannst du im folgenden Artikel lesen.

Die trügerische Traumkulisse von Bali

Von Bali hat fast jeder schon gehört. Aber wo liegt die beliebte Insel eigentlich genau? Ein Blick auf die Karte zeigt: Bali liegt im Indischen Ozean und gehört zu den kleinen Sunda-Inseln im Süd-Westen Indonesiens. In diesem Teil der Erde herrscht tropisches Klima mit angenehmen 30 Grad Celsius durchschnittlicher Jahrestemperatur. Nur während des Monsuns von November bis März regnet es vermehrt. Ansonsten sind das restliche Jahr Sommerklamotten angesagt. Der alltägliche Umgang mit Touristen macht die Balinesen offen und tolerant – auch in Bezug auf westliche Kleidungsstile. Obwohl die Hauptreligion in Indonesien der Islam ist, sind die meisten Menschen auf Bali Hindus. Deshalb gehören zu den Sehenswürdigkeiten neben lebhaften Märkten, tropischer Natur und den besten Surf-Spots auch religiöse Stätten und Zeremonien. Während im Landesinneren noch eher das ursprüngliche Leben zu beobachten ist, herrscht im touristischen Süden lebendiges Treiben. Die kleine Insel ist ohnehin schon dicht besiedelt: Die balinesische Bevölkerung umfasst momentan etwa 4,5 Millionen Menschen. Das sind 750 Menschen pro Quadratkilometer. Zum Vergleich: In Deutschland leben durchschnittlich etwa 230 Menschen pro Quadratkilometer. Gerade in den beliebten Urlaubsorten Kuta, Denpasar, Ubud und Jimbaran geht es auf den Straßen turbulent zu. Dort treffen Touristen aus aller Welt auf Balinesen, die ihren Alltagsbeschäftigungen nachgehen. Ohne Visum können sich Touristen 30 Tage auf Bali aufhalten und das Land erkunden. Auf erlebnisreiche Tage folgen durchgetanzte Nächte bei den beliebten Strandparties. Wer von den Feiernden lieber Anstand hält, erholt sich in Infinity-Pools oder bequemen Hotelbetten mit Blick aufs Meer. Für viele gehört Bali zu den interessantesten und schönsten Orten der Welt.

Doch der interessierte Reisende wagt den Blick hinter die Kulissen.

Auf Bali wird es immer voller

Die dicht besiedelte Insel erhält jedes Jahr mehr Besucher. Im Jahr 2017 kamen 5,6 Millionen Gäste aus aller Welt auf die Insel. Das ist mehr als die gesamte Bevölkerung. Im Vergleich zum Vorjahr waren es etwa 17 % mehr Touristen – ein enormer Anstieg. Dazu kommt, dass sich die Menschenmassen nicht ausgewogen auf der Landfläche verteilen. In den Touristenzentren im Süden, allen voran Kuta, stauen sich Besucher, Zugezogene und Locals. Die vielen Menschen auf engem Raum haben Folgen für die Umwelt, die Landschaft und die Bevölkerung.

Bali hat ein großes Müllproblem – durch jeden Touristen etwas mehr

Andere populäre Urlaubsorte ergreifen bereits drastische Maßnahmen damit sich die Flora und Fauna erholen können. In Thailand oder auf den Philippinen sperren die Behörden beispielsweise populäre Strände zu Regenerationszwecken. Ein solches Schicksal blüht auch Bali. Momentan häuft sich an vielen Orten der Müll – kein Wunder bei den vielen Millionen Menschen auf der verhältnismäßig kleinen Insel. Die Infrastruktur der Müllentsorgung ächzt unter den Tonnen von Abfall und kommt mit dem Aufräumen nicht mehr hinterher. Die Folgen sind verdreckte Strände, Plastikverschmutzung in den Meeren und kokelnde Mülldeponien. Der Schmutz im Meer trübt aber nicht nur dein persönliches Badevergnügen. Die Plastikteile im Meer landen im Laufe der Zeit auch in der Nahrungskette der Meerestiere. Sei dir dessen bewusst, wenn du beispielsweise lokalen Fisch isst.

Beim Verbrennen des Mülls werden giftige Gase frei, die der Gesundheit schaden. In den wenigen Tagen, die wir Touristen vor Ort sind, bekommen wir davon wenig zu spüren. Die Menschen, die dort leben, sind den Schadstoffen alltäglich ausgeliefert. Ökologischen Maßnahmen der indonesischen Regierung greifen momentan noch nicht ausreichend. Private Initiativen schaffen ein vermehrtes Bewusstsein, es fehlt ihnen aber häufig an finanziellen Mitteln. Im Februar dieses Jahres sammelte die Initiative „One Island One Voice“ an einem einzigen Tag 30 Tonnen Müll von Balis Stränden. Den größten Anteil am Müllberg hatten Lebensmittel-Verpackungen, Plastikbecher und Plastikbeutel – Reste, die Strandbesucher einfach liegen ließen. Die Gefahr ist groß, dass die Massen an Abfall das Leben auf Bali langfristig verändern.

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Auf Bali bist du nur selten alleine

Nein, das ist nicht romantisch gemeint. Es soll auch keine Drohung sein. Aber es ist ein Fakt: Du wirst dich auf Bali sehr anstrengen müssen, um einen Moment für dich allein zu genießen. Orientierst du dich an den „Best Things to do in Bali“, wirst du immer Gesellschaft haben. Ein Urlaubsfoto ohne andere Personen auf dem Bild wird nicht einfach. An den Sehenswürdigkeiten tummeln sich die Menschen. Entspanntes Inselflair? Verschlafene Fischerdörfchen? Einsame Strände? Ein romantischer Sonnenuntergang zu zweit? Nach romantischen und verlassenen Orten musst du leider etwas länger suchen.

Massenabfertigung statt Individualität

Um der Menschenmassen Herr zu werden, müssen die Balinesen ihre Arbeitsweise in der Tourismusbranche umstellen. Individuelle Entdeckungstouren und exklusive Berührungspunkte mit Einheimischen sind rar geworden. Stattdessen werden Bali-Reisende immer stärker in großen Gruppen abgefertigt. Die Zeitpläne für Bootstouren, Tauchgänge und Ausflüge zu den Sehenswürdigkeiten sind dabei eng getaktet. Je mehr Touren an einem Tag stattfinden, desto höher die Rendite. Während der Touren spulen die Guides immer wieder das bewährte Programm ab. Leider bleibt Herzblut und Begeisterung bei diesen Präsentationen häufig auf der Strecke. Wenn du dich wirklich für Land und Leute interessierst, wird dich die fehlende Authentizität stören.

Steigende Preise auf Bali

Zur Hauptreisezeit sind viele Unterkünfte ausgebucht und überteuert. In Bezug auf das Preis-Leistungs-Verhältnis von geführten Touren musst du dir auch überlegen, dass du das “exklusive Erlebnis” mit vielen Menschen teilst. Ein Beispiel: Stell dir vor, du möchtest die Gili-Islands besuchen. Bei vielen Bali-Reisenden ist das ein fester Punkt im Ausflugsprogramm. Zur Hauptsaison laden die Tourenveranstalter ihre Boote mit Urlaubsgästen voll. Die Bootsladung wird zu Schnorchel-Spots und an beliebte Strände gekarrt. Sollte dir eine freie Sicht auf die Unterwasserwelt gelingen, gehörst du zu den wenigen Glücklichen. Versuch mal, nach dem Tauchgang ein Fleck für das eigene Strandhandtuch zu finden – das wird eine Herausforderung.

Natürlich – Bali finanziert sich über den Tourismus. Die Einkünfte bedeuten für die Bevölkerung etwas Gutes. Man muss bedenken: Jobs in der Tourismusbranche sind für viele Einheimische die Möglichkeit, die Familie zu ernähren. Wo sie früher zum Arbeiten ins Ausland gehen mussten, können sie heute bei ihren Familien wohnen. Die örtlichen Institutionen verwenden die Einkünfte auch dafür, Infrastruktur und Co. zu verbessern. Bestimmt haben wir alle nichts dagegen, wenn unsere Urlaubsausgaben den Menschen vor Ort zugute kommen. Allerdings steigen die Preise für Unterkünfte und Aktivitäten auch aus einem anderen Grund: Weil die Touristen sie bezahlen – noch und nöcher. Diese scheinbar “unerschöpflichen Geldquelle” wollen viele anzapfen. So ist der Mensch: Jeder möchte ein Stück vom Kuchen abhaben.

Das Wasser wird knapp

Tourismus ist eine wasserintensive Branche. Gut 65 % des verfügbaren Wassers auf Bali verbraucht die Tourismuswirtschaft – und diese wächst mit großen Schritten weiter. In den achtziger Jahren gab es etwa 5.000 Unterkünfte auf Bali. 2012 waren es bereits 90.000. Die Hotels und Ferienunterkünfte schießen wie Pilze aus dem Boden. Jeden Monat kommen neue hinzu – meist ohne Regulierung oder strukturierte Bebauungspläne. Das überproportionale Wachstum wirkt sich auf die Wasserressourcen der Region aus. Als Tourist bekommst du natürlich nicht mit, dass das Wasser immer knapper wird. Die Dusche im Hotelzimmer funktioniert in der Regel zuverlässig. Während wir aber das kühle Nass genießen, fehlt den einheimischen Bauern auf dem Land das Wasser. Wegen der Wasserknappheit wird es für sie immer schwieriger, ihre Felder zu bewirtschaften. Ihre Einkünfte und damit ihre Existenzgrundlage ist bedroht. Immer mehr Einheimische verkaufen ihr Land deshalb an Investoren. Diese bauen weitere Hotelbunker auf den ehemaligen Reisfeldern – ein Kreislauf mit Abwärtstrend. Schon heute haben gut ein Viertel der Einwohner Balis keinen vergleichbaren Zugang zu sauberem Wasser. Im Bewusstsein dieser Tatsache macht ein Bad im Infinity-Pool der Hotelanlage wohl kaum Freude.

Ballermann-Feeling auf Bali

Wer über die üblichen „voll touristischen“ Reiseziele die Nase rümpft, dem sei eins gesagt. Bali ist wunderschön, aber absolut touristisch. Du kaufst hier das, was ganz viele andere auch kaufen. Du machst etwas, was schon unzählige Reisende vor dir gemacht haben. Einige Orte wie Kuta im Süden liefern regelrechtes „Ballermann-Feeling“. Nachts Halligalli, tags Katerstimmung am Strand. Nicht umsonst nennt man Bali das „Mallorca der Australier“. Die Partys am Strand haben hässliche Nebenerscheinungen. Alkohol-Konsum und der Handel mit Drogen sind zur Normalität geworden. Dabei zählt Indonesien zu den Ländern mit den strengsten Drogengesetzen überhaupt. Sorglose Feiernde sind außerdem leichte Opfer für Diebstähle. Auch wenn nicht hinter jeder Ecke eine Gefahr lauert: Kuta und die anderen Touristenzentren im Süden Balis zeigen die gleichen Symptome wie Mallorca, Lloret de Mar und Co.

Eine Reise nach Bali ist eine der klimaschädlichsten Reisen überhaupt

Viele Anbieter locken mit relativ günstigen Angeboten. Mal eben 10 Tage für “Sonne, Strand und Meer” nach Bali? Lieber nicht! Ein Flug nach Bali pusht deine CO2-Bilanz genauso, wie ein Jahr Autofahren (Fahrzeug der Mittelklasse, 12.000 km). Das klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen liegt allerdings bei 2.300 kg CO2-Emissionen. Die Klimawirkung der Flugstrecke allein ist mehr als 3-mal so hoch (circa 8.500 kg). Zu diesem ökologischen XXL-Fußabdruck kommt dein regulärer Verbrauch Zuhause für Heizen und Co. noch hinzu.

Ein weiterer klimarelevanter Aspekt ist: Alles, was die Millionen Menschen auf Bali täglich benötigen, wird importiert. Täglich transportieren Schiffe und Flugzeuge Konsumgüter und Lebensmittel auf die Insel. Nur ein relativ geringer Anteil sind existenzielle Importgüter für die Balinesen. Sie kommen mit dem, was auf Bali wächst und produziert wird gut zurecht. Stattdessen importieren Hotelbetreiber “Baked Beans” in Dosen, um den Urlaubsgästen ein waschechtes “English Breakfast” zu servieren. Ein großer Teil der eingeführten Waren sind übrigens alkoholische Getränke für Bars und Restaurants.

Fragwürdige Instagram-Scheinwelt

Der Hype um die Insel lässt nicht nach. Begeisterte schwemmen die sozialen Medien mit traumhaft schönen Bildern. Auf ihren “Channels” berichten Lifestyle-Blogger und Yogis ihren Followern über die „ultimative Art zu leben“. Immer mehr Digitale Nomaden arbeiten im Netz und leben im Paradies. Die Phänomene unserer “Social Media”-Gesellschaft bringen findige Unternehmer auf Ideen. Einige bieten bereits eigene „Instagram-Touren“ an. Wer diese Tour bucht, gelangt an alle relevanten „Instagram-würdigen“- Plätze der Insel. Noch wichtiger als Essen und Trinken ist bei dieser Tour die Kamera, beziehungsweise das Smartphone. Der Tour Guide ist gleichzeitig der Fotograf für die Schnappschüsse. Diese können anschließend kurz durch den Filter gejagt und direkt gepostet werden. Was hier ironisch beschrieben wird, ist auf keinen Fall ein harmloses Vergnügen. Es geht nicht nur darum, Urlaubsfotos mit Freunden und Verwandten zu teilen. Was viele nicht bedenken, wenn sie im Netz von Bali schwärmen: Sie sind Multiplikatoren. Sie machen auf Bali als Traum-Destination aufmerksam. Dadurch wecken sie bei anderen den Wunsch, selbst einmal nach Bali zu reisen. So verstärken sie global gesehen die negativen Konsequenzen für Natur und Menschen.

Glücklicherweise gibt es immer mehr Stimmen, die auf die Überforderung Balis aufmerksam machen. Videos über Plastik im Meer oder vermüllte Strände tauchen vermehrt im Netz auf. Ein Beispiel sind die Fotos der amerikanischen Reisebloggerin Amelia Whelan. Sie postete schockierende Bilder von vermüllten Stränden. Berichte wie diese zeigen: Bali gehört von der Bucket-List gestrichen.

Den gesundheitlichen Risiken Beachtung schenken

Die tropischen Temperaturen und das Urlaubsfeeling lassen einen schnell leichtsinnig werden. Keiner will sich ständig mit stinkendem Anti-Brumm einreiben oder lange Kleidung tragen. Und doch: Das Risiko von Malaria- und Dengue-Infektionen ist auf Bali vorhanden. Die wirkungsvollste Prävention ist nun mal: So wenige Mückenstiche wie möglich kassieren. Reisende mit kleinen Kindern müssen besonders vorsichtig sein, denn Mücken stechen die Kleinen besonders gerne.

In diesen Regionen der Erde werden Reisende auch mit Erregern für Tollwut, Hepatitis A und B, Typhus und Japanische Enzephalitis konfrontiert. Über den normalen Impfschutz hinaus sind also weitere Reiseimpfungen nötig.

Für die, die ein Infektionsrisiko eingehen, ist HIV auf Bali ein Thema. In manchen Orten kann man sich beispielsweise günstig tätowieren lassen. Auch über eine Tätowiernadel kann man sich mit dem Aids-Virus infizieren.

Für ein tolles Urlaubsbild mal eben ins Reisfeld steigen ist keine gute Idee: Stehende Gewässer beherbergen teilweise für den Menschen gefährliche Parasiten. Hunde, Katzen oder Affen können ebenfalls Krankheitserreger übertragen. Diese finden sich auch häufig im Trinkwasser. Das Wasser aus der Leitung ist auf Bali nicht trinkbar und kann Durchfall verursachen. Ohne hier Panik zu verbreiten: Wer eine Reise nach Bali plant, muss sich der gesundheitlichen Risiken bewusst sein.

Die exotische Tierwelt leidet unter den Touristenmassen

Wofür Bali einst berühmt wurde, hat stark unter rücksichtslosen Touristen und der Wasserverschmutzung gelitten. Viele Korallenriffe sind schon jetzt zerstört. Auch Vögel, Fische und andere Meerestiere sterben durch den Müll an Stränden und im Meer. Doch nicht nur die Touristen selber hinterlassen verheerende Spuren in der Natur. Leider verleitet das “schnelle Geld” Fischer und andere Unternehmer zu skurrilen Touristenattraktionen. Bevor du beispielsweise eine Haifischflossen-Suppe probierst, solltest du Folgendes wissen: Für diese “Delikatesse” fangen die Fischer die Tiere, trennen die Flossen ab und werfen sie wieder ins Meer.

Ein weiteres Beispiel: Bei Kaffee-Touren können Touristen die “Produzenten” des teuersten Kaffees der Welt treffen: Die Schleichkatzen fressen Kaffeekirschen und scheiden sie anschließend halb verdaut aus. Daraus wird der sogenannte “Kopi Luwak” gewonnen. Dafür werden die Tiere allerdings ihr Leben lang in kleinen Käfigen gehalten und müssen Unmengen „Kaffee produzieren“. Wer hat da noch Lust, das Getränk zu probieren?

In vielen Wildparks werden exotische Tiere gehalten – jedoch häufig unter unwürdigen Bedingungen. Ist ein Besuch nun die Chance, Elefanten und Co. von Nahem zu sehen oder eher Unterstützung von Tierquälerei? Das muss jeder selbst entscheiden.

Auch die vielen Tiere, die bei Besichtigungs- oder Tauchtouren “zufällig” auftauchen werden mit unpassender Nahrung künstlich herbeigelockt. Fische bekommen bei Tauchgängen beispielsweise Toastbrot, Affen auch mal Süßigkeiten wie Kekse oder Schokolade. Diese Nahrungsmittel sind ja schon für uns Menschen bedingt geeignet. Und wir können uns immerhin bewusst dafür entscheiden, ob wir sie zu uns nehmen.

Vorsicht auch bei der beliebten Fischpediküre in den Fisch-Spas. Die Salons versprechen: Zarte Füße – sofort nach der Behandlung. Das macht im Sommerurlaub natürlich Sinn – oder? Nicht, wenn du an die armen Tiere denkst. Bei der Behandlung hältst du deine Füße in ein Becken mit den Knabberfischen. Die Tiere fressen dann die alten Hautschuppen. Das ist nicht nur gemein, sondern auch gefährlich: In den Becken schwimmen viele Bakterien und Krankheitserreger. Die Fische beißen mit Vorliebe die Kruste von kleinen Verletzungen auf. So können sie Krankheiten an uns übertragen.

Unser Komfort bedeutet weniger Lebensqualität für die Balinesen

Während sich die Urlauber auf den Inseln hemmungslos ausleben, versuchen die Einheimischen ihren oft harten Alltag zu bestreiten. Die Öffnungszeiten von Supermärkten, Restaurants und Bars werden an die Bedürfnisse der Touristen angepasst. In ihrer knappen Freizeit müssen die Balinesen dann mit Müll, Menschenmassen und Baulärm klarkommen. Während sie mit immer weniger Lebensraum zurechtkommen müssen, nehmen die luxuriösen Unterkünfte für ausländische Gäste weiter zu. Ihre Lebensqualität wird auch dadurch eingeschränkt, dass Stück für Stück der freie Zugang zum Strand verloren geht. Hotels in Strandnähe bieten ihren Gästen gerne exklusive Strandabschnitte. Diese werden dann ordentlich gepflegt und mit Liegen ausgestattet. Die Balinesen haben davon allerdings nichts. Für sie bleiben wenige vermüllte Flächen.

Neben Natur und Allgemeingut geht auch Bali´s Kultur verloren. Lohnende Einkünfte verleiten die Einheimischen dazu, ihre einzigartige Kultur als “allgemein gefälliges Einheitspaket” zu präsentieren. Typische Tänze oder religiöse Zeremonien werden dafür vereinheitlicht und zweckentfremdet. So entstehen zwar schöne Urlaubsfotos, die wahre Bedeutung verschwimmt aber immer mehr.

Trotzdem betrachten viele Balinesen den Tourismus nicht als Feind. Sie sind optimistisch, das Wachstum bald in geordnete Bahnen lenken zu können. Die Verantwortlichen wollen die Einkünfte aus dem Tourismus zukünftig mehr für Projekte zum Umweltschutz und zur Entwicklung der Infrastruktur verwenden. Ob die guten Vorsätze den Negativtrend noch aufhalten können, ist aber fraglich.

Und wenn es doch Bali sein muss: Tipps und Tricks für nachhaltiges Reisen

Ok, sein wir ehrlich: In wessen Herzen das Fernweh brennt, der gibt sich nicht mit Balkonien zufrieden. Doch was kann jeder Einzelne tun, um Orte wie Bali zu entlasten?

1. Neues wagen

Es gibt viele Flecken unserer Erde, die noch nicht so touristisch erschlossen sind wie Bali, Thailand und Co. Ist das nicht eigentlich viel individueller? Spannender? Warum also nicht mal etwas Neues wagen! In weniger touristischen Gegenden macht man noch ganz andere Erfahrungen. Bekanntschaften mit Menschen, die in ihrem Heimatland noch nicht Millionen Gäste beherbergt haben, sind viel authentischer. Außerdem hilft man diesen Orten, durch den Tourismus Einkünfte zu erzielen. Die lokalen Gemeinden können diese nutzen, um ihre Infrastruktur zu verbessern oder Schulen zu renovieren. Deshalb: Setz lieber eigene Fußstapfen, statt anderen nachzureisen.

2. Länger bleiben

Zu vielen Zielen muss man einfach fliegen. Wenn es also sein muss: Versuche wenigstens länger an diesem Ort zu bleiben. Ein Kurztrip an das andere Ende der Welt ist wirklich übertrieben.

3. Respekt, Respekt, Respekt

Respektvolles Verhalten gegenüber Natur, Leuten, Bräuchen und Traditionen ist Pflicht. Du bist schließlich ein Gast. Keiner erwartet, dass du dich fehlerlos der fremden Kultur anpasst. Aber freundlich lächeln, „Bitte“ und „Danke“ in der Landessprache lernen, das Essen loben … das ist nicht schwer.

4. Umweltbewusst verhalten

Die Situation auf Bali zeigt drastisch: Müll herumliegen lassen kommt nicht infrage. Entsorge deinen Müll immer in Mülleimern und trenne den Müll auch am Urlaubsort. Wenn du mehr machen möchtest, kannst du auch bei freiwilligen Säuberungsaktionen mitmachen. Hier arbeitest du Schulter an Schulter mit den Einheimischen zusammen. Eine wirklich gute Gelegenheit, coole Leute kennenzulernen. Wenn du lokale Produkte kaufst, kommt dein Geld wirklich der Gemeinde zugute. Da diese Überbleibsel häufig den meisten Müll verursachen, vermeide Plastikbeutel und -verpackungen beim Einkauf ganz.

Eine weltweit ausgewogene Verteilung der Touristen würde Orten wie Bali sehr helfen. Jeder Einzelne kann hier eine Entscheidung treffen. Wähle ich lieber gleich ein anderes Urlaubsziel? Oder kann ich mich wenigstens verantwortungsbewusst verhalten, wenn ich vor Ort bin?

Warst du schon mal auf Bali?

Wie ist deine Erfahrung? Müllproblem ja oder nein?
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